Ruten

Ruten – Der Name gilt für viele Namesgeber

Für den Heimatverein Langen möchte ich seinen Mitgliedern sowie alle Interessierten aus Aufzeichnungen, mit Ergänzungen von mündlichen Überlieferungen über der Ortsteil Ruten sowie dem Fastabend Ruten berichten. Erzählen von Höfen und Heuerstellen sowie von den Menschen die hier wohnten und heute noch wohnen.
Zuerst möchte ich herausheben, dass es ein Verdienst von Pastor Meyer war, das uns heute noch diverse Aufzeichnungen zur Verfügung stehen. Pastor Meyer war von 1908 bis 1947 Pastor der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in Lengerich. In diesen Jahren hat er für das ganze Kirchspiel Lengerich eine Chronik erstellt.
Hermann Remmers hat diese abgeschrieben und für die einzelnen Gemeinden zusammengefasst. So ist es für uns möglich, den Bestand der Höfe und Ihrer Familien mit Jahreszahlen, zumindest bis zu einem bestimmten Zeitraum zurück, nachzuweisen. Nach den Aufzeichnungen von Pastor Meyer hat die Siedlung (einzelne Ansiedlung Ruten schon um das Jahr 880 bestanden. Wann nun diese Ansiedlung Ruten von der Lehnsherren vom Kloster Werden, dem Kloster Wietmarschen oder zum Beispiel der Hof Topper von den Herren von Lingen oder aber von einem anderen Herren gegründet, bzw. Eigenhörig wurden, ist nicht mehr zu ermitteln.
Vermutlich haben sich hier Menschen in der Vorzeit schon als “Freie” niedergelassen und kleine Hofstellen errichtet. Das dann diese Höfe später zu Lehnshöfen wurden, ist im allgemeinen darauf zurück zu führen, dass die Bauern dem Landesherren nicht als Soldat oder in anderer Weise dienen wollten oder konnten, dafür aber entsprechende Abgaben zu leisten hatten. Zum Schutz vor räuberischen Horden und kriegerischen Gruppen boten diese Landesherren (Fürsten und Bischöfe) ihr Machtpotential dem Eigenhörigen an und kassierten eben dafür Abgaben in der Art von Getreide, Vieh, Holz, Honig und Anderem.
Im Gegensatz zu einer einzelnen Ansiedlung wird hier in Ruten aber davon ausgegangen, dass eine Gruppenansiedlung von mehreren Familien erfolgt ist.
Nach den Funden in Grabstellen und dem Nachweis der Hügelgräber in Ruten und beiderseits am Espeler Kirchweg und auf Kocks Berg, sowie Funden von Urnen in der früheren Rutener Sandkuhle (am BW-Depot), ist festzustellen, dass hier auch weit vor dem Jahr 880 schon Menschen gewohnt haben und da bekannt ist, das eben diese Hügelgräber etwa ab dem Jahre 2000 vor Christus, bis eben zu dieser Zeit etwa 800 nach Christi Geburt zur Bestattung der Verstorbenen dienten.

Denkt man darüber nach, woher der Name Ruten kommen könnte, stellt man fest, dass dieser Name für verschiedene Dinge und Maße benutzt wird.
Da gibt es zunächst die Ruten vom Knecht Ruprecht, die aus einer Bündelung von dünnen Zweigen besteht.
Dünne Äste (Stöcke) werden auch als Ruten bezeichnet.
Dann gibt es die Sprossen der Fenster, welche die Fensterscheiben aufteilen. Auch diese werden Ruten genannt.
Beim Kartenspiel wird die Farbe Karo als Ruten bezeichnet.
Der Schwanz vom Hund oder der beim Raubwild heißt auch Rute.
Dann gibt es ein Gewichtsmaß, welches schon weit über tausend Jahre benutzt wird und ebenso Ruten heißt.
15 Ruten sind ein Spint, 4 Spint ein Scheffel, 12 Scheffel ein Malt.
Da ein Scheffel 30 Pfund hatte, kamen nach heutigem Gewicht 250 Gramm auf ein “Ruten”.
Da das Malt ein uraltes Maß für Mahlgut (Mehl) ist, könnte man auch davon ausgehen das ein “Ruten” als ein entsprechend kleineres Maß für dergleichen benutzt wurde.
In einer Chronik von 1619 wird bei einer Flurbereinigung der “Ruten” als Längenmaß. verwendet.
Hier wird berichtet, daß ein “Ruten” 15 Holtfuß lang ist. Zwei Holtfuß sind eine Elle.
Zudem wurde der “Ruten” als Flächenmaß verwendet. Auf 60 Ruten kam ein Schepel. Drei Schepel sind ein Morgen.

Dann taucht bei der Flurbereinigung und Eschvermessung der Name „Ruten Albert“ auf. Dazu kann aus heutiger Sicht festgestellt werden, dass Herr Albert Ruten, der wahrscheinlich mit der Vermessung zu tun hatte, und vermutlich daher, oder weil er in Ruten wohnte, seinen Namen davon bekommen hat. Diese Vermessung wurde im Jahre 1685 abgeschlossen. Als “Freier” oder “Eigener” hatte er am Weg von vor Holterhus, Richtung Topper seine Hausstelle errichtet. Der Eichenbusch beim Weideschuppen von Grote zeigt noch heute die Hofstelle im Gelände an.
Die oben erwähnte Eschvermessung wurde bereits im Jahre 1619 abgeschlossen.
Die Eintragung in der Chronik berichtet, dass es um 1550 vier Vollerben in Ruten gibt die in geschlossener Lage angesiedelt waren. Sie lagen am Topp- und am Schuiresch, die zur damaligen Zeit schon alte Eschsiedlungen waren. Wenn man bedenkt, dass der Eschboden sich nicht selbst gebildet hat, sondern über Generationen von Menschenhand geschaffen wurde, muss doch viel, viel früher dort Ackerbau betrieben worden sein um den Boden so herzurichten.

Wege von Ruten führen zur heutigen Ortsmitte, sowie einer zur Landesstraße in Nordholte. Der Weg zur Ortsmitte, der über den Esch führt, wurde während des 1. Weltkriegs mit der Arbeit von französischen Kriegsgefangenen tiefer gelegt. Die Befestigung zu einer Straße erfolgte anfänglich im Jahre 1926. Im Jahre ——- wurde dieses beendet.
Seit dem Anfang des 20.ten Jahrhunderts gab es die Schmiede Lügering, später Holterhus, in Ruten.